Vereinschronik

Aus der bewegten Geschichte des Turnvereins Röslau wollen wir im Folgenden versuchen, die herausragenden Geschehnisse in das Gedächtnis der Turner zurückzurufen und der heutigen Jugend zeigen, mit welchem Idealismus das „Auf“ und „Ab“ des Vereins in den vergangenen 150 Jahren immer wieder gemeistert wurde.


Als im Jahre 1860 in Coburg beim 1. Deutschen Turnfest offiziell die Gründung der Deutschen Turnerschaft vollzogen war, wurden allerorts Turnvereine ins Leben gerufen. Im nordoberfränkischen Raum entstanden 1861 vor allem die Vereine Hof, Wunsiedel und Thierstein. Im darauffolgenden Jahr war es Gefrees, Helmbrechts, Münchberg, Zell und O b e r r ö s l a u. Wenn wir leider heute nur wenig von der seinerzeitigen Turnerfamilie wissen, so kann doch nachgewiesen werden, daß sich unter den 302 oberfränkischen Turnern, die am 14. August 1864 auf dem Waldstein den Beschluss faßten , alljährlich zwanglose Zusammenkünfte (Turnerfahrten) zu veranstalten, auch eine Abordnung des Turnvereins Oberröslau befand. Diese Zusammenkunft stand unter der Leitung von Rudolf Lion, dem späteren Vorsitzenden des Bayerischen Turnerbundes und Gründers des Nordoberfränkischen Turngaues im Jahre 1868. Wenn man zu jener Zeit nicht die Vielseitigkeit des heutigen Turnens kannte, so pflegten die freiheitsliebenden Turner doch die Geselligkeit, das Singen und das Wandern. Durch diese idealen Werte hat sich immer wieder eine große Turnerfamilie zusammengefunden.


Besonders aber um die Jahrhundertwende bis zum 1. Weltkrieg haben es die Vorsitzenden Georg Zauß, Fritz Wunschel, Georg Müller, Andreas Döbereiner und Oskar Hegner verstanden, mit einer stattlichen Anzahl von Turnern und Turnerinnen zu den Wettkämpfen und Veranstaltungen anzutreten. Übungen, die schon fast in Vergessenheit geraten sind, waren das „Keulenschwingen“ der Turnerinnen und die herrlich zusammengestellten „Pyramiden“ der Turner. Es war zu dieser Zeit auch Ehrensache der Turnwarte, die Deutschen Turnfeste zu besuchen, um sich neue Kraft und Anregungen für die weitere Arbeit zu holen.


Im Jahre 1905 fand die erste Fahnenweihe statt. Fahnenpatin war Frau Anna Siegelin, geb. Schricker. Als Patenverein steht der TV Oberredwitz zu Protokoll. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre der beiden Weltkriege stellten auch unseren Verein auf harte Bewährungsproben. Doch fanden sich jeweils wieder Turnbrüder, die mit Tatkraft an die Wiederaufnahme des Turnbetriebes herangingen. Neue Sportzweige, wie Fuß- und Handball sowie Leichtathletik wurden eingeführt um den Verein wieder zu Ansehen zu bringen. Mit viel Opfern und Idealismus mußten immer wieder neue Turn- und Sportgeräte beschafft werden. Auch eine neue Fahne konnte vom 11. – 13. Juni 1927 auf der Schulwiese geweiht werden. Die Festrede hielt Herr Studienrat Wilke, Hof/Saale. Die Fahnenweihe und das damit verbundene Turnfest stand unter der Schirmherrschaft von Herrn Komm.-Rat Cramer, Ehrenmitglied des Vereins. Fahnenpatin war Frau Anna Oest, geb. Layritz, wohnhaft in Fürth. Patenverein war diesmal der TV Weißenstadt. Vorsitzender war zu dieser Zeit Max Seidel. Er verließ 1935 Oberröslau. Die Vereinsführung übernahm sein Bruder Christian Seidel bis zu seiner Einberufung zum Wehrdienst. Während des 2. Weltkrieges und der darauffolgenden Jahre verwaltete der Schriftführer Willy Ruppel den Verein.


Wir wollen uns auch einmal kurz fragen, wo denn in den ersten 100 Jahren geturnt und gespielt wurde. Vermutlich in den ersten Jahrzehnten in Gasthaussälen, auf Wiesen und Höfen. Später auf gemieteten oder kostenlos zur Benutzung freigestellten Plätzen wie Geyersgarten, Sportplatz im Tännig an der Neudeser Straße, Sportplatz „Hut“ und Schießplatz auf dem Hirtberg. Für den Winter aber mußten immer wieder Säle benützt werden. Einmal eine eigene Turnhalle zu besitzen, dies dürfte der Wunsch von jeher gewesen sein. Erst 1930 konnte der Turnverein ein Feld von der Landwirtswitwe Nürnberger, Unterröslau zum Preis von 2500 Mark käuflich erwerben und sein eigen nennen. Zwei Jahre später wurde dem Verein durch das Stahl- und Drahtwerk „Röslau“ GmbH, Röslau, ein an dieses Grundstück anschließender Acker geschenkt. Im Selbsteinsatz werden durch viel Fleiß und Mühe in Gemeinschaftsarbeit diese beiden Grundstücke in einen Turnplatz umgeebnet. Auch eine Geräte- und Übungshalle konnte am Westende des Platzes mit Unterstützung der Gemeinde Grün, der Fa. Gebrüder Winterling und des Ehrenmitgliedes Karl Zeitler sen., Oberröslau, errichtet werden, die aber nach dem Krieg wieder abgebaut werden mußte.


Erst 1949 wurde das Vermögen des Vereins durch das Amt für Wiedergutmachung freigegeben. Den Vorsitz führte von dort ab Turnbruder Max Zeitler.


Neuen Auftrieb erhielt der Turnbetrieb unter Führung von Vorstand Karl Fiedler. Er war es auch, der den Bau einer eigenen Turnhalle erwog und mit allen Kräften förderte. In der Generalversammlung am 8. Januar 1955 wurde der Turnhallenbau fast einstimmig beschlossen. Dieser Beschluß dürfte als eine der kühnsten Entscheidungen in der Geschichte des Vereins anzusehen sein, denn man konnte sich über die Projektierung und die Kosten noch gar keine richtigen Vorstellungen machen. Nur der Not gehorchend und auf die Opferbereitschaft der Mitglieder und der Bevölkerung hoffend, wurde mit den Vorbereitungen begonnen. Fast zwei Jahre bemühten sich die Vorstandsmitglieder Karl Fiedler, Karl Hager und Willy Schörner in aller Stille und mit einer Zähigkeit ohnegleichen um die Verwirklichung des Vorhabens. Trotz mancher Enttäuschungen, Rückschläge und Entmutigungen während dieser Zeit konnte durch die Einmütigkeit des gesamten Turnrates und der Mithilfe der Gemeinde Grün, der Röslauer Industrie und nicht zuletzt der staatlichen Behörden sowie dem Opfergeist der Mitglieder am 10. November 1956 die Grundsteinlegung in einer schlichten, nur Turnern eigenen Feier vorgenommen werden. Dies war der Auftakt für alle Mitglieder, das angefangene, für Röslauer Vereinsverhältnisse grandiose Werk fortzuführen und zu vollenden. Für den  aus Alters- und Gesundheitsgründen zurückgetretenen Vorsitzenden Fiedler übernahm 1957 die Geschicke des Vereins Ludwig Layritz. Unter seiner Regie wurde die Halle fertiggestellt und am 21. März 1959 in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste und Vereine feierlich eingeweiht.

 

Schon im Mai 1959 wurde eine Tischtennisabteilung ins Leben gerufen. Wenig später erfolgte die Gründung einer Frauengymnastikabteilung.


Viele freiwillige Arbeitseinsätze der Mitglieder waren noch notwendig, den Turnplatz vor der Halle bis zum Herbst fertigzustellen. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von einer amerikanischen Pioniereinheit aus Bayreuth ( vermittelt durch Herrn Petraczek ).
Nach der Fertigstellung der Turnhalle gab es für unsere Sportler bessere Trainingsmöglichkeiten, die mit vielen sportlichen Erfolgen belohnt wurden.


Es waren vor allem die „Polster-Brüder“, Siegfried Kießling und Wilhelm Gebhardt die zu dieser Zeit für gute Platzierungen sorgten. Bis in die 80er-Jahre hatten unsere Turnerinnen und Turner sowie Leichtathleten immer wieder Erfolge, unter anderem Jochen Wunschel, Karl Taucher, Andrea und Kerstin Polster, Arno und Klaus Bescherer,…


Durch kulturelle Veranstaltungen und Tanzabende wurde die TV-Halle in der ganzen Region bekannt.
 

Grundsteinlegung

 

Grundsteinlegung, Fahnenabordn.

 

Männerriege 1899, entrastert

 

Turnerinnen 1904

 

Turner aus den Jahren 1917 - 18

 

Fahnenweihe 1927

 

Abturnen 1928

 

Handballmannschaft 1933, entrastert

 

Kreismeisterstaffel 1959

 

Bezirksturnf. 1966 Lichtenfels

 

Bayer. Landesturnf. 1966 Augsburg

 

Sportfest Fichtelberg

 

Wolfgang Lange, Seitpferd

 

Barrenturnen, Heinz Polster

 

Röslauer Turnfestteilnehmer

 

Fußballmannschaft in den 20er

 

Hochsprung

 

Skilanglauf Turnhalle

 

Sportfest Münchberg

 

Sportfest Starnberg

 

Stabhochsprung

 

Turnen im Verein

 

Unter 1. Vorstand Otto Schmidt wurde 1975 das sportliche Angebot des Vereins durch die Gründung einer Tennisabteilung erweitert. Gespielt wurde auf dem Tennisplatz bei der Volksschule Röslau. 1978 beschloss der Verein Tennisplätze, eine 100m-Bahn, eine Weitsprunganlage und ein Kleinspielfeld auf dem eigenen Turnplatz zu bauen.


Jede Generation die den Verein begleitet, hat ihre Höhen und Tiefen.


Zugesagte Staatsmittel beim Bau der Tennisplätze und der Außenanlagen wurden gekürzt. Dadurch musste der Verein ein Darlehen aufnehmen.


Durch die Zahlung an den Abwasserzweckverband im Jahr 1985 in Höhe von  DM 33.182,- wuchsen die vorhandenen Schulden auf DM 56.123,-.


Durch nachlassende Besuche der Tänze, Renovierungen der Halle und der Sanitäranlagen erreichte der Schuldenberg 1991 die horrende Summe von DM 126.000,-.  


An dieser Stelle möchten wir uns bei der Gemeinde Röslau bedanken, die uns in dieser schwierigen Zeit immer großzügig unterstützt hat.

 

Unter der Vorstandschaft bis 1996 konnte die Schuldenlast auf DM 97.998,- reduziert werden. Maßgeblich beteiligt mit seinem Fachwissen war während der gesamten Zeit Gerhard Seidel als 2. Vorstand unter Otto Schmidt, sowie als Vorstandsmitglied von 1996 bis 2005.


Die Vorstandschaft ab 2002 mit Geschäftsführer Arno Bescherer und Kassier Reinhard Kunzmann hatten mit dieser immensen Schuldenlast zu kämpfen. Als dann auch noch die großen Öltanks erneuert werden mussten stellten einige Vorstands- und Turnratsmitglieder sogar private Darlehen zinslos zur Verfügung.


Mit sehr guter Wirtschaftsführung, neuen Ideen und unzähligen Arbeitseinsätzen konnte diese schwierige Zeit gemeistert werden und der Verein im Jahr 2011 schuldenfrei an die neue Vorstandschaft übergeben werden.


Ab den Neunzigern bis heute fanden sich verschiedene neue Gruppen zusammen, wie z. B.: Skigymnastik, Fitness, Karate, Line-Dance, Eltern-Kind-Turnen, Kleinkinderturnen, Volleyball und Badminton. An dieser Stelle sei gesagt, dass sich die eine oder andere Sparte inzwischen aufgelöst hat.


Leider fand sich Ende 2011 für Gabi Zimmermann, seit 25 Jahren  Leiterin der Frauen-gymnastik, keine Nachfolgerin, so dass nach 52 Jahren eine der ältesten Abteilungen aufgegeben wurde.


In den letzten Jahren, bedingt durch die nachlassende Leistungsbereitschaft der Kinder und Jugendlichen, richteten wir den Bereich Turnen/Leichtathletik auf Breitensport aus. Zunehmend fällt auf, dass durch das vielfältige Freizeitangebot außerhalb des TV, die Zahl der Kinder rückläufig ist. Allerdings wird dies auch verursacht durch die Tatsache, dass in der Volksschule Röslau nur noch vier Klassen bestehen.


Trotzdem ist und bleibt der Turnverein 1862 Röslau e.V., der Verein im Ort mit dem breitgefächertsten Sportangebot für Junge und Junggebliebene!

 

 

Ehrungen 2013

Ehrungen 2013

von links: 1. Bürgermeister Torsten Gebhardt, Matthias Reißmann, Roland Wunderlich, Siegfried Dörsch, Schöffel Wilma für 25 Jahre, Vorstandsmitglied Frank Görisch, Matthias Stark für 25 Jahre und Helmut Polster für 60 Jahre

 


 

Ehrung 2014

Ehrung 2014:

von links: Adolf Bescherer, Heinz Polster beide für 60 Jahre Mitgliedschaft,

Nina Prell für 25 Jahre
Wolfgang Lange für 60 Jahre.

 


 

Ehrungen 2015

Ehrungen 2015

vorne von links: Oberturnwartin Christine Röder, Angelika Prell und Hans-Jüren Spichtinger für 25 Jahre      

hinten von links: Jürgen Leucht für 25 Jahre und Vorstandsmitglied Siegfried Dörsch           

 


    

 

Ehrung 2016

Ehrung 2016

von links: Oberturnwartin Christine Röder (Vorstandschaft), 2. Bürgermeister Kurt Lederer,

Vorstand Stefan Röder, Erika Bescherer für 40 Jahre, Siegfried Dörsch Vorstandsmitglied

und Reinhard Kunzmann für 40 Jahre

 


 

Ehrungen 2017

Ehrungen 2017

vorne von links: 2. Bürgermeister Kurt Lederer für 50 Jahre, Liane Taucher für 40 Jahre, Claudia Gebhardt für 25 Jahre, Brigitte Wunschel für 40 Jahre und Ehrenmitglied Bernd Grimm für 50 Jahre              

hinten von links: Vorstandsmitglied Siegfried Dörsch, 1. Bürgermeister Torsten Gebhardt für 25 Jahre und Gustav Wunschel für 60 Jahre

 


 

Ehrungen_2018

Ehrungen 2019

von links nach rechts: Wolfgang Lange (65 Jahre), Vorstandsmitglied Siegfried Dörsch, Heinz Polster (65 Jahre), Vorstandsmitglied Stefan Röder, Adolf Bescherer (65 Jahre), Vorstandsmitglied Christine Röder und 2. Bürgermeister Kurt Lederer